Begrüßungsansprache des Präsidenten des Staates Israel Ezer Weizmann

am 21. März 2000

 Empfang am Flughafen Ben-Gurion

Eure Heiligkeit, Papst Johannes Paul II,

im Namen des israelischen Volkes begrüße ich Sie mit dem traditionellen Willkommenswunsch: Baruch haba!

 Zweihundert Generationen sind vergangen seit dem Beginn der Geschichte unseres Volkes, und dennoch scheint uns dies nur eine kurze Zeitspanne zu sein. Nur 200 Generationen sind vergangen, seit  ein Mann namens Abraham die historische Bühne betrat, der sein Geburts- und Heimatland verlassen hat und an einen Ort gekommen ist, der heute mein Land ist. Lediglich 150 Generationen  liegen zwischen der Feuer-Säule, welche die Erlösung durch den Auszug aus Ägypten markierte und den Rauch-Säulen, welche die Zerstörung des Holocausts anzeigten.

 Und wir, die wir als Kinder unseres Vorvaters Abraham geboren wurden, waren anwesend in all diesen Zeiten. Wanderer waren wir in den Spuren unserer Vorfahren, jedoch in all den Jahren  unseres Exils wurde unser Geist nie gebrochen und unsere Sehnsucht nach Zion wankte niemals.

Vor 2000 Jahren wurde das Volk Israel aus seinem Heimatland ins Exil getrieben und verteilte sich  unter den Nationen, über Länder und Kontinente. Während dieser Jahre des Exils litten wir unter religiöser Verfolgung und Antisemitismus, und ein Drittel unseres Volkes wurde grausam ermordet, verbrannt im Holocaust. Heute sind wir nicht mehr Juden im Exil die von Land zu Land über die Erde ziehen, von Diaspora zu Diaspora. Wir, meine Brüder und Zeitgenossen, wurden in eine Ära  hineingeboren, in welcher die Juden in ihr Land zurückkehrten und es wieder aufbauten.

Wir begrüßen den Beitrag Ihrer Heiligkeit zur Verdammung des Antisemitismus durch seine  Brandmarkung als ein Verbrechen gegen Gott und die Menschheit, und durch die Bitte um Vergebung für die Untaten, welche von Repräsentanten der Katholischen Kirche gegen das  jüdische Volk begangen wurden. Wie Sie bemerkt haben, müssen wir gemeinsam handeln, um die Plage des Rassismus und des Antisemitismus weltweit zu bekämpfen.

 Wir erkennen die neue Gewichtung in der Lehre der Katholischen Kirche an, die dazu aufruft, die jüdischen Wurzeln des Christentums anzuerkennen und das jüdische Volk so anzuerkennen, wie es sich selbst definiert.

 Deshalb ist es für die Männer und Frauen der Kirche so wichtig, auch mit der Realität des modernen Israels vertraut zu werden, mit dem Staat Israel, als dem spirituellen Zentrum des jüdischen Volkes, wo Juden, Moslems, Christen und Menschen anderer Glaubensrichtungen in Frieden und Harmonie zusammenleben.

 Seitdem er ausgerufen wurde, hat der Staat Israel allen Menschen Religionsfreiheit und den freien Zugang zu den heiligen Stätten garantiert, und Ihnen, Eure Heiligkeit, werden die Zeichen hierfür sicherlich während Ihres gesamten Besuches in Israel begegnen.

Der Staat Israel befindet sich momentan mitten in einem Friedensprozeß, der sich aufregend und ermutigend gestaltet. Während der mehr als einhundert Jahre der zionistischen Errungenschaft haben wir auf diesen Frieden gehofft, und wir haben große Anstrengungen unternommen, diesen zu erreichen.

 Von Beginn an streckten wir unsere Hände im Frieden unseren arabischen Nachbarn entgegen. Wir warten ungeduldig auf diesen Frieden, träumen von ihm, beten für ihn. E erscheint in jedem Kapitel jüdischen Denkens, wie auch in den Worten von König

David, dem Lyriker Israels: "Suche den Frieden und folge ihm nach."

Eure Heiligkeit,

 Sie werden heute Abend in Jerusalem ankommen, der Stadt des Friedens, der Hauptstadt des Staates Israel und dem Herzen der jüdischen Welt, welche genauso eine heilige Stadt für das  Christentum und den Islam ist. Um mit den Worten des Propheten Isaiah zu sprechen: "Und viele Völker sollen gehen und sagen, 'Komm lasst uns hinauf gehen zum Berg des Herrn, zum Hause von  Jakobs Gott, und ER wird uns seine Wege lehren, und wir werden Ihm nachfolgen in Seinen Spuren. Denn von Zion aus wird das Gesetz und das Wort des Königs von Jerusalem ergehen'."

 Jerusalem war das Herz des jüdischen Volkes durch alle Generationen; dies ist es, was uns unsere spirituelle Kraft gibt. Jerusalem ist die Stadt der Ewigkeit, eine Stadt die wiedervereinigt wurde. Es ist die Stadt der Richter Israels, der Könige Israels und der Propheten Israels, die Hauptstadt und die Quelle des Stolzes des Staates Israel.

Die Regierung und die Bevölkerung von Israel haben einige Anstrengungen unternommen, um Ihnen eine Wallfahrt zu den Stätten zu gewährleisten, die Ihnen heilig sind, in der  besten Tradition der Gastfreundschaft unseres Vorfahren Abraham und in der selben Tradition der Verpflichtung zur Religionsfreiheit und zum freien Zugang zu den Heiligen Stätten gegenüber den Angehörigen aller Religionen - seien es  diejenigen, die hier mit uns leben oder jene, die zu diesem Zweck von anderen Orten zu uns kommen.

Wir wünschen Ihnen viele weitere Jahre in guter Gesundheit.

 Wir heißen Eure Heiligkeit Johannes Paul II bei uns willkommen.