Interview mit dem Apostolischen Nuntius in Israel, Erzbischof Pietro Sambi

Der Papst, einzige glaubhafte Führungspersönlichkeit, die das Heilige Land wiederbeleben kann

Jerusalem (Fides) – Zum Zeitpunkt des  Treffens mit dem Direktor des Internationalen Fidesdienstes ist der Apostolische Nuntius in Israel, Erzbischof Pietro Sambi, der seit 6. Juni 1998 auch Apostolischer Delegat in Jerusalem und Palästina ist, noch dabei, die letzten Vorbereitungen für den Besuch des Papstes zu treffen. Vor der Abreise nach Jericho und zu den Orten der Taufe Jesu, eine Etappe, die im letzten Moment in das Programm aufgenommen wurde, erklärte er sich zu einem Gespräch mit dem Internationalen Fidesdienst bereit.

Exzellenz, wie erwarten die Menschen diesen Papst? Ist dieser Besuch wirklich ein historisches Ereignis?

Dieser Besuch ist tatsächlich ein historisches Ereignis. Und die Menschen, sowohl Juden als auch Christen und Muslime, spüren das. Es ist die Persönlichkeit des Papstes, die diesem Ereignis eine historische Dimension verleiht. In der heutigen Welt gibt es keine Führungspersönlichkeiten mehr,  zumindest keine glaubhaften Führungskräfte. Die Staatschefs sprechen, auch in diesen Regionen, nur über Interessen. Die einzige Führungspersönlichkeit, die zum Menschen spricht und die weltweit moralische Glaubwürdigkeit besitzt,  ist Johannes Paul II. Die verschiedenen Sektoren der Bevölkerung haben verschiedene Erwartungen. Vor allem die Christen. Hier, wo die Kirche gegründet wurde, stellen sie nur 2% der Bevölkerung dar. Sie erhoffen sich vom Papstbesuch  Beistand und Ermutigung für ihr Bleiben vor Ort. Man braucht nur daran denken, dass mehr Christen aus Bethlehem in Chile leben, als in Bethlehem selbst. Dies ist heute eine muslimische Stadt. Auch in Nazareth lebten die Christen in  der Mehrheit und heute sind es die Muslime. Der Besuch des Heiligen Vaters wird der einheimischen Gemeinde helfen, ihre Identität wiederzufinden. Die Menschen müssen den Wert ihres Lebens hier wieder finden, doch dazu bedarf es des Beistands der Kirche und des Papstes. Die Christen im Heiligen Land erhalten den Glauben an den Orten der Erlösung stellvertretend für die Christen auf der ganzen Welt lebendig.

Die verschiedenen ethnischen und religiösen  Gruppen versuchen den Papstbesuch jeweils für sich in Anspruch zu nehmen …

Ja, dies geschieht, oft auch auf sehr augenscheinliche Weise. Doch ich selbst und auch andere haben versucht, die spirituelle Dimension dieses Besuchs besonders hervorzuheben und sie der “politischen Aspekte zu bereinigen". Damit im Interesse aller jene menschlichen, christlichen und kulturellen Werte zum Vorschein kommen, die der Papst hier zum Ausdruck bringen  will. Gott hat das Heilige Land als “Land der Botschaft" auserwählt: hier hat Gott sich den Menschen geoffenbart. Er hat dem Menschen seine Berufung und seinen Auftrag im Leben geoffenbart. Mit dem Besuch des Papstes wird das  Heilige Land wieder zum “Land der Botschaft" für den Menschen zu Beginn des Neuen Jahrtausends.

Welche Bedeutung hat dies für die Missionswelt?

An diesem Ort hat die gesamten missionarische Bewegung ihren Anfang genommen. Aus Jerusalem hat sie sich auf alle Völker ausgedehnt. Der Papst wird den Spuren Jesu folgen. Er selbst hat mir anvertraut: “Ich werde nicht alleine kommen". Er bringt die ganze Missionskirche mit sich. Folgt  man den Spuren Jesu, so stößt man auch auf seine Lehre und seinen Geist. So wird man zum Jünger und kann als Apostel in alle Teile der Erde ausziehen. Eine Wallfahrt auf den Spuren Jesu trägt auch zur Erneuerung des  Missionsbewußtseins der Kirche bei. (24/3/2000)