Pilgerfahrt zum Berg Sinai in Ägypten (24. bis 26. Februar)

Friede für Ägypten und alle Menschen des Landes!

Ansprache zur Begrüßungszeremonie bei der Ankunft auf dem Flughafen von Kairo am 24. Februar

Herr Präsident,
Eure Seligkeit Patriarch Stephanos,
Großscheich Mohammed Sayed Tantawi,
liebes ägyptisches Volk!

As salámu ’aláikum - Friede sei mit euch!

1. Viele Jahre lang habe ich mich danach gesehnt, das 2000 Jahr Jubiläum der Geburt  Christi mit dem Besuch und dem Gebet an den Stätten zu feiern, die in besonderer Weise mit dem Eingreifen Gottes in der Geschichte verbunden sind. Meine Jubiläumspilgerfahrt führt mich heute nach Ägypten. Ihnen, Herr Präsident, danke ich, dass Sie es mir ermöglicht haben, hierher zu kommen und mich dorthin zu begeben, wo Gott dem Mose seinen Namen offenbarte und sein Gesetz übergab als Zeichen seiner großen Barmherzigkeit und Güte gegen über seinen  Geschöpfen. Von Herzen danke ich Ihnen für Ihre freundlichen Begrüßungsworte.

Das ist ein Land mit fünftausendjähriger Zivilisation, das in aller Welt für seine Denkmäler und seine Kenntnisse der Mathematik und  Astronomie bekannt ist. Das ist ein Land, wo unterschiedliche Kulturen aufeinander trafen und sich vermischten und damit Ägypten für seine Weisheit und Gelehrtheit berühmt gemacht haben.

2. Im christlichen Zeitalter war die Stadt Alexandrien - wo die Kirche durch den Jünger von Petrus und Paulus, den Evangelisten Markus, gegründet wurde - die Heimat berühmter Kirchenschriftsteller wie Klemens und Origenes sowie großer Kirchenväter  wie Athanasius und Kyrillos. Der Ruhm der hl. Katharina von Alexandrien lebt in der christlichen Verehrung und im Namen vieler Kirchen in allen Teilen der Welt weiter. Mit den heiligen Antonius und Pachomius war Ägypten die  Geburtsstätte des Mönchtums, das eine wesentliche Rolle für die Bewahrung der geistlichen und kulturellen Traditionen der Kirche gespielt hat.

Das Aufkommen des Islams hat Meisterwerke der Kunst und Wissenschaft hervorgebracht, die entscheidenden Einfluss auf die arabische Welt und Afrika hatten. Die Ägypter haben über Jahrhunderte hinweg das Ideal der nationalen Einheit verfolgt. Unterschiede der Religion waren nie Barrieren, sondern eine  Form gegenseitiger Bereicherung im Dienst an der einen nationalen Gemeinschaft. Gut erinnere ich mich der Worte von Papst Shenouda III.: “Ägypten ist nicht die Heimat, in der wir leben, sondern die Heimat, die in uns lebt.”

3. Einheit und Eintracht der Nation sind ein kostbares Gut, das alle Bürger hoch schätzen sollten und das die Verantwortlichen des politischen und religiösen Lebens ständig fördern müssen in Gerechtigkeit und Achtung  vor den Rechten aller. Herr Präsident, Ihr Einsatz für den Frieden im eigenen Land wie auch in der gesamten Nahostregion ist wohl bekannt. Sie haben zum Fortschritt des Friedensprozesses in dem Gebiet entscheidend beigetragen. Alle verständigen Männer und Frauen schätzen die bisher vollbrachten Anstrengungen und hoffen, dass guter Wille und Gerechtigkeit siegen, so dass alle Völker dieser einzigartigen Weltgegend ihre Rechte geachtet und ihre legitimen Erwartungen erfüllt sehen.

Mein Besuch des Katharinenklosters am Fuß des Berges Sinai wird ein Augenblick intensiven Gebets für den Frieden und für die Eintracht unter den Religionen sein. Im Namen der Religion Schaden zuzufügen, Gewalt und Konflikte zu schüren ist ein schrecklicher Widerspruch und eine große Sünde gegen Gott. Doch die Geschichte in Vergangenheit und Gegenwart liefert uns viele Beispiele für einen solchen Missbrauch der Religion. Wir alle müssen uns dafür einsetzen, die wachsende Bereitschaft zum interreligiösen Dialog als großes Zeichen der Hoffnung für die Völker der Welt zu stärken. As salámu ’aláikum - Friede sei mit euch!

Das  ist mein Gruß an euch alle. Das ist mein Gebet für Ägypten und alle Menschen dieses Landes.

Möge der Allerhöchste euer Land mit Eintracht, Frieden und Wohlstand segnen.